Verkehrsunfall – wer muss für den Schaden aufkommen?

Niemand wünscht es sich und doch kommt es jedes Jahr zu mehreren Millionen Straßenverkehrsunfällen. Umso wichtiger ist es, sich mit der Rechtslage auszukennen. Wie verhalte ich mich richtig nach einem Unfall? Wie kann die Schuld ermittelt werden und wer haftet für den entstandenen Schaden?

Alleine in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 kam es deutschlandweit zu knapp 2 Millionen Straßenverkehrsunfällen. Dabei entstanden hohe Sach- und Personenschäden. Die Frage, wer nach einem Unfall haftet, ist also mehr als aktuell.

Die Unfallschadenregulierung

Wann immer es um Verkehrsunfälle geht, kommt die Unfallschadenregulierung ins Spiel. Allerdings ist nicht immer ohne Weiteres zweifelsfrei feststellbar, wer die Schuld am Unfall trägt. Ob Glatteis, unachtsames oder zu schnelles Fahren – nicht immer ist nur ein Unfallverursacher ausfindig zu machen. Die Frage, wer der Unfallverursacher ist, muss jedoch geklärt werden, immerhin muss derjenige bzw. seine Versicherung für den entstandenen Schaden aufkommen.

Wie verhalte ich mich nach dem Unfall richtig?

Sind Sie in einen Unfall verwickelt, sollten Sie wie folgt vorgehen:

  1. Absicherung der Unfallstelle
  2. Bei Verletzten 110 oder 112 anrufen
  3. Dokumentation des Unfalls (Anschrift, Versicherung und Kennzeichen der Unfallbeteiligten notieren)
  4. Schadensmeldung beim Versicherer absetzen

Wichtig ist, die Regulierung des Schadens selbst in die Wege zu leiten. Wer darauf wartet, dass sich der Schadenservice der gegnerischen Versicherung einschaltet, kann davon ausgehen, dass dann im Sinne des Unfallgegners gehandelt wird. Außerdem können Fotos vom Unfallort sinnvoll sein. Diese am besten direkt der Schadensmeldung beilegen.

Entschädigungs-Möglichkeiten nach dem Unfall

Wer in einen Autounfall verwickelt ist, obwohl er sich an die Verkehrsregeln gehalten hat, also unverschuldet einen Schaden erlitten hat, dem steht eine Entschädigung zu. Der Unfallverursacher bzw. seine Versicherung muss unter anderem für folgende Kosten aufkommen:

  • Rechtsanwaltskosten
  • Kosten für einen Mietwagen nach dem Unfall
  • Reparaturkosten des Kfz
  • Heilbehandlungskosten
  • Schmerzensgeld
  • Verdienstausfallentschädigung

Grundlage hierfür ist das Bürgerliche Gesetzbuch (§ 249 BGB), in dem es dazu heißt:

(1) „Wer zum Schadensersatz verpflichtet ist, hat den Zustand herzustellen, der bestehen würde, wenn der zum Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten wäre.
(2) Ist wegen Verletzung einer Person oder wegen Beschädigung einer Sache Schadensersatz zu leisten, so kann der Gläubiger statt der Herstellung den dazu erforderlichen Geldbetrag verlangen.“

Trotz Rechtsgrundlage erhält man nicht immer eine angemessene Entschädigung für den entstandenen Schaden. In solchen Fällen kann ein Fachanwalt für Verkehrsrecht weiterhelfen.

Wann springt die eigene Haftpflichtversicherung ein?

Ein ausreichender Versicherungsschutz für sein Auto ist wichtig. Spätestens jetzt können sich die Versicherungsbeiträge auszahlen. Doch wann übernimmt die eigene Haftpflichtversicherung den Schaden?

Generell gilt: Die Haftpflichtversicherung springt nur für Schäden ein, die der Versicherte selbstverschuldet Dritten oder deren Eigentum zufügt. Hier spielt die zuvor vertraglich festgelegte Versicherungssumme eine entscheidende Rolle. Folgende Voraussetzungen müssen hierfür gegeben sein:

  1. Sie haben den Schaden nicht vorsätzlich verursacht.
  2. Sie haben den entstandenen Schaden innerhalb von 14 Tagen bei Ihrer Versicherung gemeldet.
  3. Die Versicherung erkennt den Schaden an. Meistens kommt dabei ein Gutachter ins Spiel, der sich den entstandenen Schaden genauer anschaut. Auf der Grundlage seines Gutachtens trifft die Versicherung dann die Entscheidung für die Schadensregulierung.

Wann springen die eigene Teil- und Vollkaskoversicherung ein?

Über die Leistungen der Haftpflichtversicherung hinaus übernehmen Teil- und Vollkaskoversicherung auch die Kosten für Schäden am Fahrzeug des Versicherungsnehmers. Bei der Teilkaskoversicherung werden jedoch nur Elementarschäden sowie Schäden durch Diebstahl und Wildunfälle abgedeckt.

Auch hier gilt: Der Unfall darf nicht vorsätzlich verursacht worden sein. Außerdem muss der Schaden rechtzeitig gemeldet werden.

Wann die gegnerische Partei haftet

Trifft Sie selbst keine Schuld am Unfall, muss der entstandene Schaden vom Unfallgegner bzw. von dessen Versicherung übernommen werden. Sie haben dann zu 100 % Anspruch auf Ersatz Ihres Schadens. Sind Sie und der Unfallgegner schuld, müssen Sie beide für den Schaden haften. Wenn Sie zum Beispiel eine Mitschuld von 30 % trifft, können Sie vom Unfallgegner zwar 70 % des Schadens ersetzt bekommen, müssen aber 30 % des Schadens der Gegenseite bezahlen.

Bevor eine Schadensregulierung stattfinden kann, muss also immer geklärt werden, wer in welchem Maße die Schuld am Unfall trägt.

Bildquellen:

pixabay.com © Rico_Loeb (CC0 Creative Commons)

Weitere Links:

https://www.destatis.de/DE/Presse…

https://www.auto-tipps.de/sicherheit/glatteis/

https://www.burghard-anwaelte.de/fachanwalt-fuer-verkehrsrecht/

https://www.auto-tipps.de/blog/2017/07/12/die-richtige-kfz-versicherung-fuer-ihr-auto/